Sollzustand

Wenn schon die Fahrt zum Flughafen zu einer Reise wird

December 25th, 2007

Ausnahmsweise S-Bahn zum Flughafen. Dank Vorabend-Check-In und Abflug um 11h30 habe ich ja noch genug Zeit und kann ganz gelöst mit den wunderbaren öffentlichen Verkehrsmitteln zum Flughafen anreisen. Klingt jetzt snobby, aber normalerweise fahre ich Taxi. Dazu muss ich sagen, dass ich meist quasi mitten in der Nacht mit dem Pyjamabomber fliege und dabei zählt jede gewonnene Schlafminute.

Ich sitze also in der S-Bahn, wir halten 4 Stationen vor dem Airport. Und halten, und warten…. Plötzlich eine Durchsage: Wegen Vollsperrung geht es nicht weiter und die Fahrt geht wieder zurück. Na klasse. Da fahre ich einmal S-Bahn. Und jetzt? Ich beschließe auszusteigen, es wird ja wohl irgendwo ein Taxi zu bekommen sein. Am Bahnsteig sehe ich einen Mann mit Koffer, der ziemlich verloren und leicht gestresst wirkt. Ich frage ihn, ob er auch zum Flughafen muss und biete ihm Taxi-Sharing an. Die Idee kommt gut an und gemeinsam machen wir uns auf den Weg und auf die Suche nach einem Taxi. Prima, gleich die Strasse runter ist ein Taxistand - aber kein Taxi da. Na egal, dann rufen wir eben eines per Taxiruf. Eine Bandstimme verspricht die Ankunft eines Wagens in 3 Minuten.

Wir warten. Nicht nur wir. Waren wir erst noch zu zweit, gesellen sich immer mehr Menschen zu uns. Alle haben dasselbe Problem. Alle müssen zum Flughafen. Eine wartende Dame fragt mich, ob wir denn ein Taxi gerufen hätten. Ich sage, dass wir eines riefen jedoch nur für uns und dass Jeder eben eines für sich rufen müsse. Da weist sie mich doch tatsächlich an, ich solle ihr eines bestellen. Ohne “Bitte”. Nur weil ich in der Nähe des Taxirufs stehe bin ich doch nicht der Taxi-Besteller und Organisator! Das sage ich dann auch entsprechend lautstark, damit mir nicht noch jemand so kommt, da kenn ich ja mal gar nichts.

Langsam wird es aber auch Zeit. Das dauert… Also nehme ich mein Handy und rufe die Taxizentrale an. Zwischenzeitlich haben sich ca. 20 Personen am Taxistand eingefunden. Ich schildere der freundlichen Dame der Taxizentrale die Situation und sage ihr, Sie möge doch bitte mehrere Wagen schicken. Natürlich spreche ich so laut und deutlich, dass die Anderen alles mitbekommen. Nach wenigen MInuten hält 100 Meter oberhalb unseres Standorts ein Taxi. Menschen steigen aus, andere Menschen steigen ein. Selbige Dame von ein einigen Minuten vorher beobachtet diese Szene und beschwert sich prompt in meine Richtung, dass der Wagen weiter entfernt anhält und nicht an unserem Standort, obwohl hier ja alle warten. Wie jetzt? Und was kann ich nun dafür? Bin ich die Taxizentrale?

Nach weiteren Minuten passiert ES! Ein Taxi steuert genau auf uns zu. Alle stürmen los. Der Fahrer schaut ob des Anblicks der ganzen Meute leicht panisch und ich kämpfe wie eine Löwin um mein Taxi, schliesslich war ich ja die Erste, die es bestellt hat. Ich rufe also laut, dass dies mein Taxi sei und noch zwei weitere Personen mitfahren können, die auch zum Flughafen müssen. Wir steigen ein, fahren los und sind glücklich. Da kommt von einer Mitfahrerin doch alln Ernstes die Frage, ob wir zuerst zu ihrem Ziel - nicht der Flughafen sondern ein Nachbarort - bringen könnten, weil sie erwartet würde. Ich wurde doch leicht zickig, denn mein Flieger wartet schon gar nicht und es war MEIN Taxi! Keine Chance, zuerst zum Flughafen.

So teilt sich eine bunt gemischte Truppe, bestehend aus der Dame, die nicht zum Airport will, Salvatore, der nach Sizilien fliegt, ein symphatischer Typ mit Ziel Frankreich und ich mit Ticket nach Ägypten friedlich ein Taxi. Wir sind uns schnell einig, dass bereits der Weg zum Flughafen eine, fast schon abenteuerliche, Reise darstellt. Da wir alle noch in time unterwegs sind, entspannt sich die Lage, wir amüsieren uns ausgiebig über das Erlebte und sind recht fassungslos, wie sich die Menge der Menschen verhalten hat. Immerhin hatten wir alle unerwartet viel Aufregung und Spaß bei unserer Anreise zum Flughafen. Und das im Schwabenland und einander völlig fremd. Geht doch!

Meine Mitreisenden meinten, ich habe Führungsqualitäten denn schliesslich hätten alle brav auf mich gehört. Na, das ist doch mal was ;-)

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