Ich bin oft Kunde. Im Supermarkt, an der Tankstelle, in der Boutique, beim Autohändler, im Job - überall sind Dienstleister am Werk, deren Aufgabe darin besteht, mir etwas zu verkaufen. Da ich selbst im Verkauf tätig war und bin, habe ich einerseits einen recht hohen Anspruch an die Verkäuferqualitäten aber andererseits auch ein großes Maß an Verständnis für schlechte Laune oder Streß beim Personal.
Wann hat ein Verkäufer seinen Job für mich gut gemacht?
Wenn ich mich wohlfühle, wenn ich Stammkunde werde, wenn ich weiterempfehle und vor allem natürlich wenn ich kaufe. Und das ist gar nicht so schwierig. Manchmal reicht schon ein Lächeln und ein “guten Tag” oder einfach nur eine Antwort auf eine Anfrage aus, um mich glücklich zu machen. Und wenn ich auf einen motivierten Verkäufer (Verkäuferinnen selbstredend eingeschlossen) treffe, kann ich einem Kauf kaum widerstehen, schon gar nicht wenn es um Schuhe geht.
Und machen die Verkäufer ihren Job gut?
In meinem Fall eher selten. Deswegen fahre ich nicht immer zur selben Tankstelle, kaufe ständig in anderen Läden oder idealerweise online ein und esse immer wieder in anderen Restaurants. Oftmals frage ich mich, warum die vielen mißmutigen, schlechtgelaunten, gestressten Verkäufer diesen Job ausüben, wenn es ihnen offensichtlich so wenig Spaß macht. Eine große Ausnahme ist mein Autohändler. Dem bin ich seit Jahren treu, weil er seine Sache wirklich gut macht. Er ist der einzige Dienstleister, der mich zu meinem Geburtstag anruft und mir alles Gute wünscht. So einfach und so wirkungsvoll.
Daniel Zanetti, Geschäftsführender Mitinhaber der Mystery-Check- und Trainingsfirma NeumannZanetti & Partner, sagte bei einem Interview, zu lesen im Spiegel online, “Gute Verkäufer müssen wie gute Liebhaber sein” und nennt sie Wohlfühlmanager. Ein sehr passender Begriff wie ich finde. Seiner Erfahrung nach sollte ein guter Verkäufer seine Kunden verblüffen und verdeutlicht dies mit folgendem Beispiel:
Wenn Dienstleister einem Kunden absagen müssen, dann sollten sie das mit einer besonderen Aktion wieder wettmachen. Ich empfehle ein handgeschriebenes Kärtchen, dazu ein schöner Kompass in einer Schachtel. Auf dem Kärtchen steht: “Liebe Frau Müller, vielen Dank, dass Sie bei uns angefragt haben. Leider hat es dieses Mal nicht geklappt. Damit Sie immer den Weg zu uns zurückfinden, schenken wir Ihnen diesen Kompass.” Da merken Sie als Kunde: Es war diesem Unternehmen nicht egal, ob Sie Kunde werden oder nicht.
Geniale Idee. Wer findet es nicht toll, wenn sich das Gegenüber Mühe gibt. Solche Verkäufer wünsche ich mir!
Aber ist es denn wirklich so schlecht um die Dienstleistungsqualität in Deutschland bestellt? Laut Ergebnis des Kundenmonitor Deutschland 2007, befindet sich die Kundenzufriedenheit auf einem hohen Niveau. No Big Deal stellte sich wohl eine ähnliche Frage: Kundenmonitor 2007: Von der Servicewüste Deutschland zur blühenden Superservice-Oase?
Zwar liegen Optiker ganz weit vorn und auch die Post - wer hätte das gedacht - belegt einen der vorderen Plätze. Ganz so rosig sieht es dann aber doch nicht aus, denn die Kundtreue sinkt und die Bereitschaft der Kunden zum Wettbewerb zu wechseln steigt. So gelesen auch bei No Big Deal:
Sinkende Kundentreue verbunden mit beständiger Zufriedenheit zeigt, dass der Verbraucher von heute viel schneller zum Wettbewerb abwandert als noch vor ein paar Jahren. Unternehmen müssen sich was einfallen lassen, um zufriedene Kunden dauerhaft zu binden. Und dafür reichen einfallslose Kundenbindungsprogramme wie Kundenkarte, Rabattmarkenheft & Co. sicher nicht aus.
Also bittesschön her mit dem Wohlfühlmanager, der mich verblüfft und es mit ungewöhnlichen Ideen schafft , dass ich treu bleibe. Und Treue gehört unbedingt zur Liste meiner persönlichen Sollzustände!